Gut vorgesorgt. Warum bin ich trotzdem nicht gelassen?
Eigentlich beste Voraussetzungen, um beim Thema Geld entspannt zu bleiben. Ich würde das gerne meinem Kopf erklären.
Überlebenstipps für Gutverdiener – Teil 1
Meine bessere Hälfte und ich verdienen gut. Wir können unsere Rechnungen bezahlen, legen Geld zurück und gönnen uns einiges. Wir haben uns etwas aufgebaut.
Eigentlich beste Voraussetzungen, um beim Thema Geld entspannt zu bleiben.
Ich würde das gerne meinem Kopf erklären.
Mit über 50 ist die Zeit, in der die Gehälter irgendwann wegfallen, keine ganz ferne Vorstellung mehr. Wir haben vorgesorgt. Trotzdem frage ich mich gelegentlich, ob es reicht. Und was dieses „genug“ eigentlich sein soll, bei dem ich endlich aufhöre, darüber nachzudenken.
Sparen konnten wir eigentlich schon immer
Nach dem Studium und im ersten Job haben wir überlegt, eine Immobilie zur Selbstnutzung zu kaufen.
Wir standen in einem schicken Haus, in einem kleinen Ort irgendwo in Süddeutschland. Dann schauten wir uns an: Was machen wir, wenn der Job weg ist und wir woanders hinziehen müssen?
Dann hätten wir ein Haus an der Backe und wären unflexibel. So schön war es dann auch wieder nicht.
Also überlegten wir anders: Warum nicht eine Immobilie an einem Ort kaufen, den wir gut kennen und an den wir im Alter gerne zurückkehren würden? Bis dahin könnten wir sie vermieten.
Das wurde unsere erste große Investition. Mit Kredit und einer Bindung für die nächsten 30 Jahre. Beruflich wollten wir flexibel bleiben. Finanziell hatten wir uns gerade ziemlich langfristig festgelegt.
Anfangs war es ungewohnt, dass die Kreditrate unser verfügbares Einkommen reduzierte. Mit der Miete passte es aber gut. Und ehrlich gesagt fand ich es beruhigend: Dieses Geld konnte ich schon mal nicht ausgeben.
Steuern sparen spielte ebenfalls eine Rolle. So viel Ehrlichkeit muss sein.
Mittlerweile ist diese Immobilie abbezahlt. Dazwischen haben wir ein Haus gekauft, selbst darin gewohnt und später vermietet. Als sich eine weitere Gelegenheit bot, haben wir noch einmal gekauft.
Wir haben also durchaus etwas aufgebaut. Das müsste doch auch bei mir angekommen sein.
Die Zahlen beruhigen mich. Meistens.
Wenn ich auf das schaue, was wir haben, bin ich froh über unsere Entscheidungen. Wenn ich auf unsere monatlichen Ausgaben schaue, werde ich gelegentlich wieder unruhig.
Kann das so bleiben, wenn wir nicht mehr arbeiten? Könnten wir mehr zurücklegen, ohne dass uns wirklich etwas fehlen würde? Und warum beschäftige ich mich damit manchmal so ausgiebig, obwohl gerade gar nichts passiert ist?
Es ist keine akute Geldnot. Unsere Fragen sind Luxusprobleme, das weiß ich. Trotzdem verschwindet eine Sorge nicht automatisch, nur weil man sie vernünftig eingeordnet hat.
Ich hatte immer das Gefühl, Geld binden zu müssen, damit ich es nicht ausgebe. Eine feste Rate wurde bezahlt. Was danach auf dem Konto blieb, war verfügbar.
Vielleicht habe ich „verfügbar“ gelegentlich etwas großzügig ausgelegt.
Deshalb schreibe ich hier
Mich beschäftigt, wie wir heute gut leben können und dabei für später vorsorgen. Aber auch, warum ich mich manchmal weniger sicher fühle, als unsere tatsächliche Situation vermuten lässt.
Darüber möchte ich schreiben. Über unsere Entscheidungen, meine Widersprüche und die erstaunliche Fähigkeit, beim Sparen sehr vernünftig zu sein und beim Einkaufen ebenfalls für alles einen guten Grund zu finden.
Eine feste Kreditrate habe ich schließlich jahrzehntelang zuverlässig bezahlt. Da müsste doch auch ein selbst gesetztes Budget drin sein.
Wobei die Bank damals keine hübschen Jacken im Angebot hatte.
Vielleicht kennt ihr das: Ihr habt vorgesorgt und könntet eigentlich gelassen sein. Was braucht es, damit sich das auch so anfühlt?
Schreibt mir gerne eine E-Mail. Ich freue mich auf eure Antworten.
Grit Lezovic
Schreibt über Geld und Alltag, Reisen und Lebenspläne.